Natürlich wird hier Deutschland gehasst und die Demonstration am Sonnabend in Hamburg ordentlich beworben. Kommt alle!
http://dertodisteinmeisteraus.de/

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Natürlich wird hier Deutschland gehasst und die Demonstration am Sonnabend in Hamburg ordentlich beworben. Kommt alle!
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In Hamburg ist, im Gegensatz zu diesem Blog, derzeit ne menge los. Naja, das ist vielleicht übertrieben. Aber mehr als sonst in diesem Dorf in dimension einer Großstadt. Auf jeden Fall: Nächsten Samstag ist Antifa-Demo:

Und im Juni wollen die Nazis mal wieder versuchen in Hamburg eine Demo auf die Beine zu stellen um den „Tag der deutsche Zukunft“ zu zelebrieren. Wir werden sehen was draus wird.
Auch Veranstaltungen gibt es einige. Die Intros können wohl als etabliert bezeichnet werden. Und nun kommt von Februar bis Juni noch eine weitere Veranstaltungsreihe dazu. Verschiedene Veranstaltungen zur Aktuellen Krise, Geschlecht und Rassismus. rotten system! rotten world?.
indymedia linksunten mit einem kurzen (und etwas konfus geschriebenen) Statement zur politischen Lage in Dessau:
„Am 21.01.2012 gab es wieder einen zuvor im Internet von einer Initiative „Pro Dessau“ und vom Kreisverband Wittenberg der NPD beworbenen, „spontanen“ Protestmarsch in Dessau. Das Motto lt. Facbeookaufruf „Gegen Gewalt“, bei der Anmeldung vor Ort hieß es dann, die Proteste richten sich „Gegen Messerstecherei“. Der Marsch wurde von militanten Rechten angeführt, von einem kriminellen Inländer „spontan“ angemeldet und 200-300 Dessauer und Dessauerinnen latschten ihrem Freizeitführer unkritisch hinterher. Also alles wie befürchtet.“
Die Mitteldeutsche Zeitung gibt Einblicke in die Geschehnisse vom Samstag, beleuchtet den Anmelder, einen verurteilten Nazi und kriminellen Inländer, und führt die Passivität der Lokalregierung vor:
„Es ist eine Sache weniger Minuten, die die Lage auf die Spitze treibt. Im Dessauer Rathaus-Center läuft die Eröffnung der Kurt-Weill-Lounge – Bücher und Hörstationen laden ein, sich mit dem berühmten Sohn der Stadt zu befassen, dem Komponisten mit jüdischen Wurzeln. Mitten in die Eröffnung aber, berichten Zeugen, platzen am Samstagabend 20 bis 30 Rechtsextreme, die im Eilschritt durch das Center laufen und ausländerfeindliche Parolen brüllen. „Ausländer raus, Deutschland den Deutschen“ und „Hier marschiert der nationale Widerstand“ ist zu hören. Es könnte, heißt es später, auch „Sieg heil“ darunter gewesen sein. Weil gerade eine Sängerin auftritt und nicht jeder Besucher die Parolen genau versteht, ist das bislang aber noch nicht verbürgt.
Die Polizei, nach einer Demo ohne Zwischenfälle von diesem Marsch durch die Einkaufspassage offensichtlich überrascht, spricht später von 50 Neonazis
[…]
Auf Facebook hatte eine anonyme Gruppe „Steht auf! Gegen Gewalt!“ mobilisiert. Auch vor diesem Hintergrund ist bemerkenswert, wer den Protestmarsch von der Kavalierstraße bis zum Bahnhof und zurück letztlich angemeldet hat: Laut Stadt war es Ronny B., der später von Szenekennern auch als Redner identifiziert wird. Der Blick in die Vergangenheit des 33-Jährigen offenbart einiges. B. wurde 2001 wegen gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ende Oktober 2000 hatte er mit zwei Kumpanen aus der rechten Szene vor einem linksalternativen Jugendtreff vier junge Leute überfallen. B. war es laut Urteil, der das Opfer A. viermal mit Springerstiefeln ins Gesicht trat. Mehrere Knochen brachen, A.’s Sehkraft auf einem Auge ist dauerhaft geschwächt. Richter Manfred Steinhoff nannte die Täter damals eine „feige und widerwärtige Bande“.Angriff auf Polizistin
In einer kurzen Ansprache am Dessauer Bahnhof fordert B. an diesem Samstag, dass sich auch Polizisten der Demo anschließen müssten, sie würden schließlich von „Dahergelaufenen“ angegriffen. Oder von B.: 1999 schlug er einer Polizistin mit der Faust ins Gesicht.
[…]
Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos) ist am Ende entsetzt. „Das war genau das, was wir nicht wollten: dass die Situation von den Nazis für ihre Zwecke ausgenutzt wird“. Im Vorfeld sei es gelungen, durch Gespräche das Netzwerk „Gelebte Demokratie“ und die Initiative Oury Jalloh zu einem Verzicht auf Demos zu bewegen, um die Lage nicht eskalieren zu lassen. „Aber eine anonyme Facebook-Gemeinde kriegt man nicht gegriffen“, so Koschig. Auf die Frage, wie sich verhindern lässt, dass Dessau in den nächsten Wochen doch noch eine Eskalation bevorsteht, „habe ich momentan keine Antwort“, sagt er.“
Die Zeit zeigt, wie in der Demo die Unterschiede zwischen Nazis und Bürger_innen verschwinden:
„Die Vierhundert treffen am Samstag auf keine Gegendemo, keine Blockade, keine „Nazis raus“-Rufe. Am Straßenrand steht stattdessen viel Gleichmut mit Einkaufstaschen. In der Menge der Demonstranten sind zwar ausgemachte Neonazis zu sehen, aber auch Teenagergruppen und ältere Bürger. Die Stimmung im Zug ist entspannt – „Nimm Dir keinen Ausländer zum Freund“, rät ein Mädchen seiner Freundin.
Den sogenannten Spontanaufzug hat nach Angaben des Ordnungsamtes Ronny Besch angemeldet. Er hat mehrere Jahre Haft wegen eines lebensgefährlichen Angriffs auf zwei linksalternative Jugendliche hinter sich. Als der Zug am Bahnhof ankommt, spricht ein halbvermummter Mann ins Mikrofon. Er redet feurig und benutzt Worte, die nicht recht zu einer Demonstration gegen Gewalt passen wollen. „Schnauze voll“, „Medienhetze“. Er sagt auch, dass die Demo gegen Gewalt jetzt alle zwei Wochen stattfinden soll.
Die Polizei und Bürgerinitiativen geben später bekannt, dass unter den Demonstranten etwa 50 bekannte Neonazis waren, hauptsächlich aus dem Umland. Und der Rest? Der begeisterte Beifall, den der Redner erhielt, erlaubt zwei Schlüsse: Entweder waren das auch Rechtsextreme. Oder der Ton des Mannes gefällt auch den anwesenden normalen Bürgern.“
Netzwerk IT kommentiert das Verhalten der Polizei:
„In der Bauhausstadt Dessau scheinen Neonazis nach den Prügeln auf die Oury Jalloh Gedenkdemonstration freie Bahn zu haben. Im Gegensatz zu der Gedenkdemo schreitet die Polizei bei Demos mit Ausländer feindlichen Parolen nicht ein und bestätigt ihre Einseitigkeit.“
Ungewöhnlich: ein Kommentar auf indymedia, der Sinn macht, und wohl daher laut indymedia-Mods „keine inhaltliche Ergänzung“ darstellt:
„an die antifa dessau und die oury jalloh: bitte veröffentlicht eine erklärung, wie es zu der demobilisierung gekommen ist!! ich kann mir nicht erklären, wie es zu so einer massiven fehleinschätzung kommen kann. immerhin wurde bis zuletzt über facebook vom deutschen mob mobilisiert und dass sich nazis so eine gute grundlage für ihr auftreten nicht entgehen lassen, nur weil sich andre schubert distanziert, sollte wohl hoffentlich klar sein.
ich kann verstehen, dass eine demo eventuell abgesagt wird, um die lage nicht weiter eskalieren zu lassen, zumal die strukturen eines antirassistischen selbstschutzes vor ort auch nicht die besten zu sein scheinen. aber warum wird dann nicht angesagt, dass leute trotzdem nach dessau kommen sollen, um die leute vor ort zu supporten? ich hab das gefühl, als würde sich hier mal wieder viel zu lange existierende probleme zeigen: 1. mangelnde zusammenarbeit und vernetzung zwischen aktivist_innen in der „provinz“ und den städten 2. vor allem mangelnde zusammenarbeit und vernetzung zwischen antira-gruppen (von people of colour) und (weißen) antifagruppen und autonomen. würde hier eine bessere zusammenarbeit und kommunikation und vor allem auch mehr gegenseitiger support und vertrauen bestehen, wären folgenreiche entscheidungen am wochenende eventuell anders gelaufen.“
Last but not least: Antideutsche Kotze von starblog.
Tritratralalla, die Dessauer Antifa ist da:
Das rassistische Umfeld des ASG Vorwaerts Dessau und die empoerte deutsche Bevoelkerung hat spaetestens seit dem letzten Wochenende einen unerwartetenden Buendnispartner.
Waehrend der Mob zu einer lustigen Stadtrundfahrt in der bald schon national befreiten Zone aufrief, hatten die Strategen der Kartoffelantifa nichts besseres zu tun, als Versoehnung mit den Rassisten und die Volksgemeinschaft zu propagieren.
Den Aufrufen auf diversen Internet-Plattformen nach Dessau zu kommen und sich Nazis und Rassisten entgegenzustellen, sei auf keinen Fall Folge zu leisten. Die Dessauer Antifa habe alles im Griff, die Rassisten wuerden sowieso nicht demonstrieren und ueberhaupt sei das alles nicht so dramatisch. Die Kirche koenne im guten deutschen Dorf gelassen werden und das bisschen Totschlag bringt uns nicht um.
Andre Schubert, verdienter ASG-Sportler des Volkes, haette sich darueberhinaus erklaert, dass die Teilnahme an Demonstrationen nicht von ihm erwuenscht sei.
Das kuemmerte allerdings seine Sportkollegen und den Rest der stolzen Deutschen herzlich wenig. Am Sonnabend Abend rotteten sich erneut mehrere Hundert Rassisten zusammen, ohne auf jeglichen Widerspruch zu stossen.
Der Dessauer Antifa ist es wichtiger, die Situation nicht “aufzuheizen” und jeglichen “Aktionismus” in ihrer Stadt zu unterbinden. Inwiefern eine Situation, in der rassistische Mobs durch die Strasse ziehen und zur Lebensgefahr fuer jeden Nichtdeutschen werden, nicht bereits “aufgeheizt” ist und entschlossener antifaschistischer Aktionismus dringend geraten waere, an statt den Rassisten durch dieses laecherliche Appeasement Vorschub zu leisten, bleibt das Geheimnis der Volksfront-Antifaschisten.
Torsun und ich lesen ab morgen im Verlauf von etwas mehr als fünf Wochen 32mal aus “Raven wegen Deutschland” vor. Ausreichend Synapsen sind selbst mitzubringen.
| 24.01.2012 Leipzig, Neues Schauspiel 25.01.2012 Magdeburg, Café Central 26.01.2012 Hannover, Café Glocksee 27.01.2012 Essen, Hotel Shanghai 28.01.2012 Münster, Cubanova 31.01.2012 Jena, JG Stadtmitte 01.02.2012 Wiesbaden, Schlachthof 02.02.2012 Nürnberg, Club Stereo 03.02.2012 München, Feierwerk 04.02.2012 Stuttgart, 1210 08.02.2012 Schwerin, Komplex 09.02.2012 Rostock, Zwischenbau 10.02.2012 Flensburg, Volxbad 11.02.2012 Kiel, Luna Club 12.02.2012 Hamburg, Uebel&Gefährlich 13.02.2012 Braunschweig, Nexus | 14.02.2012 Bielefeld, JZ Kamp 15.02.2012 Frankfurt, Ivi 16.02.2012 Mannheim, Café Nelson 17.02.2012 Tübingen, Epplehaus 18.02.2012 Trier, Exhaus 19.02.2012 Landau, Fatal 20.02.2012 Kassel, Karoshi 21.02.2012 Dresden, Chemiefabrik 23.02.2012 Chemnitz, AJZ Talschock 24.02.2012 Wels (A), Schlachthof 25.02.2012 Wien (A), Pratersauna 26.02.2012 Salzburg (A), Denkmal 27.02.2012 Zürich (CH), Boschbar 28.02.2012 Freiburg, White Rabbit 29.02.2012 Mainz, Capitol 01.03.2012 Köln, King Georg |
Wie man eine antifaschistische Mobilisierung sabotiert und einem Mob die Straße frei macht, haben Teile (?) der Dessauer Linken in den letzten Tagen formvollendet vorgeführt. Trotz hoher Wahrscheinlichkeit, dass es nach der spontanen Mobbildung vom Montag erneut zur Verbrüderung von Spießbürgertum und organisierten Nazis kommen würde, verkündete die Gruppe „NoNazisDessau“ am Freitag:
„Für den morgigen Samstag, den 21.01.2012, sind uns im Moment keine Anmeldungen oder Bestrebungen bekannt aus denen sich eine ähnliche Situation entwickeln könnte, wie sie sich am Montag in Dessau ereignet hat. […] Aufrufe eine Nazidemo oder eine rassistischen „Bürgermob“-Demo in Dessau stoppen zu wollen oder zu müssen, entbehren somit jeglicher derzeit realistischer Analysen.
Maßgebliche Multiplikatoren der Mobilisierung zu Montag, waren der Verein ASG Vorwärts Dessau dessen Spieler Andre Schubert, der der Verletzte und damit eigentlicher Inhalt dieses „Volksmobs“ war. Sowohl Andre Schubert als auch sein Verein distanzieren sich von einer möglichen Demonstration am 21.01.2012 und mehr noch, Andre Schubert ließ über den ASG erklären, dass er weiterhin nicht möchte , „dass dieses Vorkommnis für politische Zwecke und rassistische Anfeindungen missbraucht“ werde. Nachzulesen unter vorwaerts-dessau. Die Motive für diese Aussage seien dahingestellt, jedoch gibt es somit derzeit keinen ernstzunehmenden Aufruf eine solche Demonstration rassistischer Eintracht von Nazis, Hooligans und ganz „normalen“ Rassisten morgen zu wiederholen.“
Nur um am Sonntag vermelden zu müssen:
„Nachdem in den vergangenen Tagen sämtliche Demonstrationsanmeldungen in Dessau abgesagt wurden und viele beteiligte Gruppen beschlossen hatten heute nicht nach Dessau zu fahren, fand am frühen Abend erneut eine Demonstration mit großer Neonazibeteiligung statt.
Ca. 250 Demoteilnehmer_innen die sich aus Nazis, Althooligans und rassistisch motivierten Bürgen zusammensetzten, liefen von McDonalds bis zum Bahnhof und zurück.“
Später versuchte eine 30-50 köpfige Gruppe noch, eine Gedenkveranstaltung der Kurt-Weill-Gesellschaft anzugreifen. Offenbar ist durch Glück und das Einschreiten der staatlichen Ordnungsmacht ist am Samstag in Dessau niemand körperlich zu Schaden gekommen.
Es stellt sich nun die Frage, ob das Verhalten von „NoNazis Dessau“ und Genoss_innen durch reine Naivität oder schlichte Fehleinschätzung bestimmt, oder ob sich hier ein Gemisch aus Verharmlosung, Lokalpatriotismus und Volksnähe offenbart. Die rein formal und realitätsfern begründete Absage der Dessau-Mobilisierung korrespondiert zudem mit der Tatsache , dass die seit mehreren Monaten stattfindenden Proteste gegen zwei ehemals Sicherheitsverwahrte im sachsen-anhaltinischen Kaff Insel, wo Nazis und Bürger_innen Hand in Hand auf die Straße gehen, ebenfalls auf keinerlei antifaschistischen Widerstand stoßen.
Wo Nazis als Nazis demonstrieren, schlägt ihnen mal bescheidener, mal entschiedener linker Widerstand entgegen – vgl. Magdeburg am letzten Wochenende. Ebenso – meist – wenn sich Nazis in scheinbar linke Bewegungen wie die Friedens- oder Öko-Bewegung einzuklinken suchen – siehe das jüngste Beispiel aus Berlin.
Wo sich jedoch – wie in zahlreichen Regionen in der Schule und im Betrieb, im Jugendclub und Sportverein, in Familie und Freundeskreis, bereits Alltag – organisierte Nazis und Bürger_innen auch in einer politischen Bewegung organisch mischen, da versagt die Linke regelmäßig. Da werden dann Mobilisierungen widerrufen, die „vernünftig denkenden Menschen in Dessau“ entdeckt oder – wie vor zwanzig Jahren in Hoyerswerda – „wechselseitige Lernprozesse“ initiiert, wie es in einer „Interim“ vom Oktober 1991 heißt:
Auch wenn durch die Diskurse des letzten Jahrzehnts eine zumindest oberflächlich antinationale Positionierung keine Randerscheinung mehr ist, so scheinen viele Linke doch heimlich immer noch dem Volk anzuhängen – oder ihm zumindest nicht alles Schlechte zuzutrauen, wie es einzig vernünftig wäre.
„Spirit of Entebbe“ hat mit „Die Juden sind ihr Unglück“ eine staatlich geförderte Medienfälschung durchgearbeitet:
„[...] (Nahost-)Geschichte wird heute nicht mehr von den Siegern geschrieben, sondern von den Verlierern, und deutsche Filmemacher reichen da, jedenfalls wenn es gegen die Juden geht, gern die helfende Hand. Gefördert von der Filmstiftung NRW. „
„[...] einzig der wissenschaftliche Takt vermag darüber zu wachen, daß das unabdingbare subjektive Element, an dem Spontaneität und Produktivität von Wissenschaft haftet, nicht ins Wahnhafte wuchere.“ (Adorno, „Schuld und Abwehr“, 139)
Im Gegensatz zur „Zeitschrift für Sozialforschung“ hat die Bahamas auf markiges Auftreten sich verpflicht. Das war mitunter berechtigte und lesenswerte Reaktion auf die verhärteten Verhältnisse – von der Ohnmacht gegen diese lässt man sich leider doch zu oft dumm machen. Die errichtete Sparte verlangt Opfer und sei es der Reflexion. Zur Theorie pflegt man ein mitunter dann doch recht instrumentelles Verhältnis, der Effekt ursurpiert Konsistenz. Sören Pünjer baut diesem ganz postmodernen Eklektizismus ein Denkmal, weil er wegen Wulffens Häuschen gegen die Piratenpartei mit Assad gegen die Islamisten weil für die Alaviten segelt:
„Sich – wie Ende 2011 geschehen – über die Finanzierung des billigen und enorm hässlichen Hauses des deutschen Bundespräsidenten das Maul zu zerreißen, schafft der mündige Chatter genauso locker allein wie einen von djihadistischen Terrorbanden angezettelten aktuellen Bürgerkrieg gegen Alaviten, Christen und Laizisten in Syrien in ein neues Kapitel des arabischen Freiheitskampfes umzulügen: Die Beweise für die jüngsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit, also Quellen vom Hörensagen aus den Foren von Islamisten, oder Zeugenaussagen von Opfern, die gestern noch als irreguläre Soldaten reguläre angeschossen haben, findet man genauso gut in den berüchtigten Qualitätszeitungen wie im Netz.“ (Bahamas 63, S. 14)
Die gleiche Strategie der Verharmlosung ist für das postnazistische Deutschland in „Schuld und Abwehr“ dokumentiert: Die Faktizität der Ereignisse wird lächerlich gemacht und als „Hörensagen“ abgewehrt, wenn nicht gleich die Erstschuld der Verfolgten (hier: „angezettelt“) behauptet wird. (S. Adorno, s.o., 165) Das Einverständnis mit dem Mord hat sich schon hergestellt, wenn nur die Identität der Opfer vom Hörensagen erwiesen wird als menschenfeindliche, hier djihadistische. Gegen diese Tendenz ist noch jeder Islamist zu verteidigen. Auch er soll für den Sturz eines Folterfürsten demonstrieren dürfen, ohne von einer Panzergranate zerfetzt zu werden und ohne von einem Schrapnell den Unterkiefer herausgerissen zu bekommen. Dass es Assad ist, den Pünjer hier in der Bahamas in Schutz nimmt, zeugt von der Gravidität der Verdrängungsleistung. Assad, jener antisemitische Baath-Klon Saddam Husseins, Helfershelfer der iranischen Henker, dem Israel noch vor ein paar Jahren einen Atomreaktor im Bau unter den Händen zerbombt hat, der die Raketenlieferungen an die Hisbollah organisierte, der im Libanon nun wirklich nicht der christlichen oder laizistischen Minderheit beisteht, sondern mitverantwortlich für die Morde an halbwegs demokratischem Personal war, Assad, dem nach den importierten Pasdaran nun die Hisbollah zur Hilfe eilt, jener Assad soll auf einmal ganz hilflos von djihadistischen Elementen konfrontiert sein und Benevolentien für Laizisten bereit halten. Mit den groben Sprüchen Pünjers maskiert sich unreflektierte Angst und Hilflosigkeit. Das ganze Schützenfest von Tiraden gegen die Piratenpartei, die grobschlächtigen Versuche, ihr Entstehen theoretisch einzufangen, ist nur Abwehr gegen eine tiefe Verunsicherung, in der man sich selbst die ärgsten Feinde Israels noch zu Garanten seiner Existenz umlügt.
Was zuerst zu kritisieren bleibt an den unausweichlichen Revolten in den arabischen Staaten: Dass man sich in Europa schon allseits darauf einstellt, nun mit „demokratisch gewählten“ Mehrheiten der Islamisten reden und verhandeln zu müssen. Als hätte man nicht vorher um die relative Schwäche der laizistischen und demokratischen Elemente gewusst, fällt man diesen nun vollends in den Rücken, indem man sie für nicht existent, weil abgewählt, bestimmt. Dieser Zirkelschluss ist das deutlichste Indiz dafür, welch geringen Rückhalt demokratische, laizistische Gesinnung in Europa selbst hat. Feiern Faschisten Erfolge wie in Ungarn, Österreich und Italien, wüten in Bulgarien und Rumänien Pogrome gegen Roma und andere Minderheiten, schiebt man Roma aus Frankreich und Deutschland ab, hat man also in Europa längst gelernt, nazistischen Terror durch die Umwandlung seiner Forderungen in allgemein gültiges Recht zu bändigen, ist es nur konsequent, dass die europäischen Regierungen den Islamisten den Hof machen, wenn sie doch nun mal gewählt sind. Die freiheitliche Gesinnung liegt ihnen ebenso wie Sören Pünjer ganz und gar fern. Kein gesellschaftliches Rätsel darf sich ihnen mehr stellen, das der Identifikation in drei Sätzen widersteht.
Nach dem Angriff stalinistischer Schläger auf eine Gruppe, die unter diesem Motto am Rande der LL-Demo protestierte, sind wieder Fragen über die Bedeutung der Zeile aufgekommen. Daher möchte ich nochmals klarstellen, daß sowohl der Aufkleber als auch das CD-Cover immer genauso direkt gemeint waren, wie sie formuliert sind:
Wenn jemand behauptet, es würde sich bei Gesellschaften wie der DDR oder der UdSSR um den Kommunismus gehandelt haben oder daß es in der KDVR oder China heute den Kommunismus gäbe, wenn also Ziel und Weg in eins gesetzt werden und die Realität dieser Gesellschaften zum angestrebten Ergebnis erklärt wird, antworte ich darauf mit der Refrainzeile aus “Kommunismus – kleine Geschichte wie endlich alles anders wird” von Bini Adamczak: Nein, das war bzw. ist nicht der Kommunismus – es gab und gibt dort Staaten, Klassen, Lohnarbeit und Geld. Mehr ist damit zunächst nicht gemeint.
Die sozialistischen Bewegungen und Staaten waren insofern bisher kein Kommunismus, als daß sie ihn im Sinne der Zielvorstellung nicht erreicht haben, als daß die staaten- und klassenlose, herrschaftsfreie Weltgesellschaft nicht eingerichtet, das Kapitalverhältnis nicht aufgehoben, die Lohnarbeit nicht abgeschafft wurde.
Dieser Umstand war und ist in diesen Bewegungen und Staaten ein Allgemeinplatz, die Übergangsphase des Sozialismus wurde stets deutlich vom noch einzurichtenden Kommunismus unterschieden. Insofern richtete sich die Ansage nicht an jene, die den Unterschied selbst kennen wie z.B. das Personal der chinesischen Botschaft, sondern an jene, die ihn gewohnheitsmäßig verwischen wie etwa der SPIEGEL und sein Publikum.
Entsprechend scheint diese Zeile auch besonders im persönlichen Nahkampf mit Eltern, Alltagsbekannten, Mitstudierenden oder Arbeitskolleginnen hilfreich gewesen zu sein, wenn es hieß: “Das gab’s doch schon mal”, “Man weiß ja, wie das aussieht” o.ä.

Kundgebung vor der chinesischen Botschaft, Mai 2007
Es war aber auch nicht einfach nicht der Kommunismus, insofern es sich um die Projekte von Kommunistinnen handelte, den Kommunismus einzurichten, mit welchen womöglich unangemessenen oder untauglichen oder per se falschen Mitteln jeweils auch immer. Ich teile Bestrebungen nicht, sich durch schlichte derartige Distanzierung aus der Verantwortung stehlen zu wollen.
Viel schwerer zu beantworten ist die Frage, inwiefern es sich bei den KPs, Sowjet- und Volksrepubliken um den Kommunismus im Marxschen Sinne der “wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt” handelte und handelt, da sie ebendieser Bewegung in enormem Maße zugearbeitet wie ihr auch geschadet haben könnten – das ist letztlich auch immer eine Frage der vorstellbaren Alternativen und läßt sich vermutlich erst im Rückblick entscheiden, wenn es dereinst vollbracht sein sollte.
(Weiterführend: ein tatsächlich antikommunistisches Aufklebermotiv zum Vergleich; Erwiderung auf Kritik aus dem GSP-Umfeld)