03 September 2010

torsun

so ist das halt in bayern:

da wird dann gerne auch mal zum „sieg heil“ rufen animiert, wie man hier am ende des videos sehen kann:

und da soll man keine gewaltfantasien haben…

by kapsler hauser at 03 September 2010 , 21:30:54

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waiting

Glück mit dem Wetter

„Wirbel um eines der ältesten Volksfeste in Bayern: Ein Youtube-Video zeigt, wie eine Band das Publikum in einem Bierzelt auf dem Barthelmarkt zu Sieg-Heil-Rufen animiert.
[…]
In der Gemeinde Manching bemüht man sich in der Zwischenzeit um Schadensbegrenzung. Es ist die Rede von der „Sache“ und am liebsten würde man die „Sache“ ganz vergessen. Bürgermeister Herbert Nerb (Freie Wähler), der das Barthelfest mit dem traditionellen Anstich eröffnet hat, geht in die Offensive: „Wir lassen uns so ein altes Traditionsfest, das es seit dem Jahre 1300 gibt, nicht durch einen solchen Vorfall vermiesen.“ Insgesamt 280.000 Besucher habe das Fest über die gesamten vier Tage angezogen. „Und wir hatten auch noch Glück mit dem Wetter“, alles in allem also eine positive Bilanz. Wäre, ja, wäre da nicht diese Sache gewesen. Nun hofft man, dass sich die Aufregung bald wieder legt.“

[„>SZ]

by waiting at 03 September 2010 , 17:40:10

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classless

Morgen: Wittenberg und Berlin

Für die Demo müßte ich mich zerteilen, aber vielleicht tauche ich irgendwann bei der Nach-Demo-Party in der Scharni 38 auf.

by classless at 03 September 2010 , 12:12:57

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krawalla

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torsun

und action!

ich erinner mich genau daran, als wir auf tour schon mächtig angetrunken in einem verqualmten backstage saßen und darüber sinnierten, dass es abgefahren wäre, einen film mit all den action-helden zu drehen, die es in ihren filmen selten auf mehr als 2 bis 3 verschiedene gesichtsausdrücke brächten. und derer gibt es so einige!
mit ins boot sollten auf jeden fall:
silvester stallone, arnold schwarzenegger, jean-claude van damme, jason statham, dolph lundgren, dwayne „the rock“ johnson, jet li, chuck norris usw…
wir malten uns genau aus, wie so ein film sein müsste und waren ob unserer idee hellauf begeistert, was defintiv eine gute begründung war, uns -in oben erwähntem backstage- weiter dem ungehemmten alkoholkonsum hinzugeben.
wie auf tour so üblich, blieb dieser actionfilm-plan für eine ganze weile unser running gag, bis er irgendwann wieder in vergessenheit geriet.
ob nun gott im himmel selbst unseren schlechten filmgeschmack teilt, vermag ich nicht mit bestimmter sicherheit zu sagen. was ich allerding mittlerweile weiss, ist, dass manchmal eben doch wunder geschehen und dieses wunder hat einen namen:

SILVESTER STALLONE!

ich stelle mir das in etwa wie folgt vor:
ein lauschiger sommerabend. silvester stallone merkt langsam, wie müdigkeit in ihm aufsteigt und um diese noch zu vertärken, bereitet er sich ein glas warme mich vor, schlüpft in seinen oberarmfreien pyjama und begibt sich -nachdem er seine dritten zähne in ein glas mit reinigungsmittel gelegt hat- in sein schlafgemach, um es sich in seinem bett in formel1-wagen form mit „king-size“-matratze bequem zu machen.
er hat kaum seine augen geschlossen, da erscheint ihm in helles licht getaucht -in diesem punkt bin ich nicht ganz sicher und kann deshalb nur vermuten- pat morita (auch bekannt als mr. kesuke miyagi) und erteilt ihm folgenden auftrag:

rocky-son! gehen hin und planen grössten und besten action-film von ganze welt, nachdem gestrichen mein zaun und gewinert mein autos!

jeder der silvester stallone aus seinen filmen kennt, weiss, dass er ein mann der wenigen -aber schlauen- worte und handfesten taten ist.
er steht auf, greift zum telefon und ruft SIE ALLE an!

der rest ist schnell erzählt:
ein drehbuch ist flott geschrieben, geld aufgetrieben und die kino-welt von diesem plan hellauf begeistert!
ein paar drehtage in den besten studios in hollywood und fertig ist die laube:

ihr werdet jetzt sagen:

gut, so könnte es gewesen sein, aber eure wunschkandidaten sind gar nicht alle dabei!

doch ich antworte mit stolz geschwellter brust, dass noch nicht aller tage abend ist und da jeder (mit sicherheit auch stallone) weiss, dass man auf einem bein nicht stehen kann, wird sich alles weitere finden.

norbert, striezi und ich sahen uns gestern abend dieses machwerk an und ich kann nur sagen:
der film ist genau so, wie wirklich alle ihn erwarten! gross!

p.s.:
eine lustige randnotiz sei noch schnell erwähnt:
laut einem interview mit silvester stallone sagte jean-claude van damme nur deshalb ab, weil er laut drehbuch in einem epischen kampf gegen jet li verliehren sollte. das fand er untragbar.
bleibt die hoffnung, dass er von diesem streifen genauso begeistert ist wie wir und es sich beim zweiten teil anders überlegt.

by kapsler hauser at 03 September 2010 , 10:49:25

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02 September 2010

aftershow

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nichtidentisches

Nichtidentisches

Es gibt eigentlich nur eines, was am Sarrazin-Hype erstaunt: Der hilflose Umgang mit den von ihm angesprochenen Themen. Als Tabu-Brecher kann Sarrazin nur deshalb von der Mehrheitsgesellschaft gefeiert werden, weil das Arsenal der Gegenseite aus Tabus besteht, die Reflexion und kritischen Geist schon lange unter sich begraben haben. Hätte man sich in den vergangenen Jahren Begriffe zu Islamismus, Einwanderung und Rassismus erarbeitet, man stünde nicht so angewrackt vor dem Eisberg Sarrazin. So aber ringt man die Hände und kann nicht erklären, warum man nicht auch Schröder aus der SPD ausgeschlossen hat, als der in seiner Funktion als Gottkönig der Sozialdemokraten forderte: „Kriminelle Ausländer raus, und zwar schnell“. Auch Müntefering, sein Reichsverweser durfte von Heuschrecken schwadronieren und der Linksparteioberhäuptling Lafontaine gegen Fremdarbeiter „Profil schärfen“. Nun will man Sarrazin, der eigenen Aussagen zufolge keinen Menschen abschieben will, entlassen und ausschließen und kann die Argumente nur stottern.

Es gibt kein Argument gegen Sarrazin, das nicht auch eines gegen die SPD wäre. Rot-Grün hat nicht die zynischen „Ausreisezentren“ geschlossen und auch nicht das Mittelmeer für afrikanische Flüchtlinge sicherer gemacht. Unter Rot-Grün wurden nicht Illegale massenhaft legalisiert. Unter Rot-Grün prosperierte der Antisemitismus nicht minder als heute. Gegen einen Sarrazin aber dürfen sich alle den antifaschistischen Orden an die Brust heften. Wäre man ihm wirklich guten Gewissens überlegen, man könnte ihn ignorieren. Oder, käme man zum Schluss, dass sein Gedankengut eine besondere Gefahr darstellt, ihn derart entschlossen und gelassen seiner Widersprüche überführen, dass gar nicht erst der Eindruck einer Diskussion entsteht.

Solange sich aber der gesamte Bundestag einstimmig für die Abschaffung Israels via IRI-Freeport Gaza ausspricht, gibt es kein moralisches Recht, Sarrazin wegen seines Einteilungswahnes zu verurteilen. Seine Behauptung vom jüdischen Gen übertreibt darin, dass es „alle“ Juden tragen würden. Das ist wie vieles andere aus Sarrazins Mund Jargon, der bösartige Auswirkungen hat, die Sarrazin nicht einsehen will. Wieso seine imprägnierte Zahlenzauberei aber auf einmal mehr Thema sein soll als der genannte Bundestagsbeschluss, kann niemandem einleuchten, der ernsthaft sich mit dem Antisemitismus auseinandergesetzt hat.

Mehr zum Thema auf Nichtidentisches:

„Sarrazins Kinder„“

„Die Abwehr des Genießens in der H&M-Werbung und in der Hartz-IV Debatte


Filed under: Rassismus

by Nichtidentisches at 02 September 2010 , 18:47:17

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fuer und gegen alles

spiegel online – verblödet wie eh und je

dass spiegel online zu 95% nur müll schreibt oder dpa-meldungen paraphrasiert, ist nun nicht so die superneuigkeit. die überschriften haben kontinuierlich bild-niveau und wenn es dann noch um viel geld geht, können nur heuschrecken am werke sein. wenn zu den plumpen hetzüberschriften im stürmer-stil nun aber auch noch solche knüller dazukommen, dann verwirrt mich das! können die nicht machen! was denn nun? bekannt oder unbekannt? hilfe!!

by schons at 02 September 2010 , 16:29:32

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try again. fail again ...

besserscheitern

Hab gerade nicht viel Zeit für Bloggen, daher gibts hier nur schnell wat schönes. :)

(via)


by besserscheitern at 02 September 2010 , 13:19:36

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torsun

„mach nie die tür auf…“

als kind hab ich sie geliebt.
dass das lange her ist, merke ich allein schon daran, dass ich niemanden kenne, der schonmal eine affaire mit einer frau namens renate hatte:


by kapsler hauser at 02 September 2010 , 12:09:44

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aftershow

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torsun

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01 September 2010

classless

“Leben im Rausch” - Gliederung und Aufbau

Parallel zum Egotronic-Buch arbeite ich schon am vermutlich etwas aufwendigeren Buch über Rausch und Drogenpolitik, das auch erst frühestens im nächsten Jahr fertig sein wird.

Was es schon gibt, ist ein klareres Bild von Aufbau und Gliederung.

“Leben im Rausch”

Im einleitenden ersten Teil soll es um die Lage der dealenden Bevölkerung gehen, um ethical dealers, Strafverfolgung, Entsolidarisierung und politische Kampagnen. Davon ausgehend will ich die Fragen des Buches aufwerfen, wie es zu dieser zugespitzten und absurden Situation gekommen ist, ob wir überhaupt mit den richtigen Begriffen hantieren und welche möglichen Konsequenzen es gibt.

Im zweite Teil geht es um die wichtigste Grundlage: den Rausch; um die zahllosen bekannten Rauschzustände des Nervensystems, in die es ohne Einnahme bestimmter Substanzen gerät; erst dann um die Entstehung und Entwicklung der spezifischen Rauschzustände, die von den Anti-Pflanzenfresser-Giften vieler Pflanzen ausgelöst wurden; schließlich um die folgenreiche Verwechslung von Rauschzustand und chemischen Folgereaktionen durch das Aufkommen der Pharmakologie.


“Wenn der Koala zum Eukalyptus- Abhängigen erzogen wird…” (Siegel: Rauschdrogen, S. 50)

Der dritte Teil beschäftigt sich mit Sucht, also zunächst mit der Vielfalt von Abhängigkeiten und Zwangsstörungen, die viele oder alle Kriterien von Sucht erfüllen, und die zum Teil erheblich stärker verbreitet sind als substanzgebundene Abhängigkeiten: Arbeitssucht, Spielsucht, Ernährungsstörungen usw. Bei den Substanz-Süchten wird es darum gehen, daß die am weitesten verbreiteten kaum als solche wahrgenommen werden (raffinierter Zucker!), und auch ansonsten Abhängigkeit von irgendeiner Substanz eher der Regelfall als die Ausnahme zu sein scheint.

Erst nach diesen Ausflügen in die schillernde Welt von Rausch und Sucht soll es im vierten Teil um Drogen gehen, um die Substanzen, die als “Rauschgift”, “Betäubungsmittel” und Gegner im “War on drugs” klassifiziert werden, und die eine sehr spezielle Position einnehmen - sowohl in ihren Wirkungen als auch in ihrer Suchtbildung (sofern sie stattfindet).

Teil 5 behandelt die Prohibition und die Verbote, mit besonderem Augenmerk auf den genuin politischen Verboten: die nationalsozialistische “Rauschgiftbekämpfung”, LSD 1966. (Hierher gehört wohl auch der Einsatz von Drogen als politische und militärische Waffe - die Entwicklung von Pervitin, MKULTRA, der CIA-Schmuggel von Heroin in die schwarzen Ghettos…)

Der letzte Teil soll sich schließlich mit dem Vorschein beschäftigen, mit bewußtem/kontrolliertem Gebrauch, mit Bewußtseinserweiterung, mit den drogengestützten Entdeckungen (die Doppelhelix, Polymerase-Kettenreaktion), mit den günstigen persönlichkeitsverändernden Wirkungen, mit den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen all das erst für alle möglich wäre - Kommunismus.

Derzeit lese ich hauptsächlich viel zu den Themen des Buches (mit den Re-Reads bin ich so gut wie durch) und bin für Hinweise immer dankbar. Putzig ist allerdings, daß manche anzunehmen scheinen, ich würde “neuerdings” über Drogen und Rausch reden und schreiben, mich gar nur an die Mode hängen damit - dabei gibt es neben Verschwörungstheorien und Kommunismus eigentlich kaum etwas, womit ich mich in den letzten 15 Jahren vergleichbar viel beschäftigt hätte.

by classless at 01 September 2010 , 18:08:18

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cosmoproletarian solidarity

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torsun

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31 August 2010

classless

Hustler-Cut-up

Aus Günther Jacob: “Agit-Pop. Schwarze Musik und weiße Hörer”, Berlin 1993.

>>Malcolm X und Karl M über Hustler

“Vor allem die Ghettojugendlichen sehen, wie sich ihre Eltern abstrampeln, ohne etwas zu erreichen, und nehmen sich deshalb lieber die Hustler zum Vorbild, die scharf angezogen herumlaufen und mit Geld nur um sich werfen und die vor nichts und niemandem Respekt haben.” (Autobiografie)

“Der Hustler unterbricht die Monotonie und Alltagssicherheit des bürgerlichen Lebens. Er bewahrt es damit vor Stagnation und ruft jene unruhige Spannung und Beweglichkeit hervor, ohne die selbst der Stachel der Konkurrenz abstumpfen würde. Er gibt so den produktiven Kräften einen Sporn.” (Theorien über den Mehrwert)

by classless at 31 August 2010 , 20:23:32

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tofu

Liebes Essener Friedensforum!

Der Einladung auf Eurem Flyer zum “internationalen Straßenfest” gegen den Thor Steinar Laden am vergangenen Wochenende, bei welchem so grandiose Acts wie die “Bandbreite” oder “Intifada (RAP aus Essen)” zu bewundern waren, sind wohl nicht ganz so viele Besucher gefolgt. Komisch, könnte daran liegen, dass sich nicht alle eingeladen fühlten. Für die nächste crazy Veranstaltung empfehle ich folgenden Einladungtext: “Wir laden alle Demokraten und Antifaschisten, Antisemiten und Antizionisten [...] herzlich ein.” Also, beim nächsten mal einfach die Zielgruppe frei raus benennen und nicht nur so durch die Blume. Dann wirds auch was mit dem Kuchenverkauf für die Vereinskasse.
Herzlichst!
tofu

by tofu at 31 August 2010 , 17:15:39

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torsun

raveline tv:

wir wurden dieses jahr ja noch auf den letzten drücker fürs sonne mond und sterne festival gebucht:

dort wurden unter anderem auch wir dann von raveline-tv interviewt:
HIER LANG!

by kapsler hauser at 31 August 2010 , 13:49:21

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try again. fail again ...

besserscheitern

Ich hätte gedacht man müsste vielleicht mal den Sarrazin mit Rancière auseinandernehmen. Bei Ofenschlot geht es aber auch ganz einfach und auf den Punkt. Klick!


by besserscheitern at 31 August 2010 , 12:08:39

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besserscheitern

Die, den Wünschen der nach immer neuen Next-Levels dürstende Aufmerksamkeitsökonomie des Pop entsprechende und perfekt zugeschnittene Inszenierung als südafrikanischer Backwood-White Trash von „Die Antwoord“ (und das auch noch kurz bevor die WM das Interesse auf Südafrika ziehen würde) war zu gut, um nicht in kürzester Zeit zu funktionieren. Musikalisch wird da im Prinzip nur viel existierendes durch den Wolf gedreht, aber das ist ja (eh fast) immer der Fall. Hier nun noch ein weiterer Name als Klickargument:

(via)


by besserscheitern at 31 August 2010 , 11:16:05

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30 August 2010

phex

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cosmoproletarian solidarity

Die „junge Welt“, der deutsch-europäische Antiimperialismus und die Islamische Republik Iran

In der „jungen Welt“ vom 2. September 2005 charakterisierte Werner Pirker die Regionalpolitik der Islamischen Republik Iran noch als „ein expansionistisches, auf die Unterordnung des Iraks unter iranische Vorherrschung zielendes Konzept.“ Das islamistische Regime partizipiere „an der Zerstörung der irakischen Souveränität“, es neutralisiere über ihre Agenturen im Irak „den schiitischen Volkswiderstand“ und verhindere damit „die Bildung einer nationalen Einheitsfront gegen die Fremdherrschaft“.

Im Irak habe die Islamische Republik Iran sich also versündigt – nicht etwa, weil sie in den 1980`ern massenhaft auf den Märtyrertod abonnierte Kinder als menschliche Minen-Neutralisierer an die iranisch-irakische Front zwang. Für einen solchen organisierten Kindermord hat sich der antiimperialistische Souveränitätsfetisch noch nie interessiert - weder in Gaza noch in Khorramshahr. Die Islamische Republik Iran habe die nationale Herrschaft des irakischen Ba`ath-Regimes sabotiert, hierin lag ihre Schuld. „Saddam muss bleiben“, hatte Werner Pirker rasend verlangt („jW“, 19.3.03) – doch er blieb nicht. Durch seine Hinrichtung sei er „zum Märtyrer gemacht“ worden, so die „Antiimperialistische Koordination“, so etwas wie der Wiener Heimatverein Pirkers: „im Angesicht des Todes stand er für die unbeirrbare und kompromisslose Feindschaft gegen die imperiale Arroganz (…)“. Saddam Hussein, dieser irakische Bismarck und von Deutschen aufgerüstete Giftgasmörder, war „nicht nur ein Partisan, sondern ein Staatsmann“, so die Wiener Antiimperialisten (30.12.06), die von der „Irakischen Patriotischen Allianz“, dem ba`athistischen Günstling antiimperialistischer Komplizenschaft, eine böse Vorahnung bestätigt bekam: die Verstickung des iranischen Regimes in Verhaftung und Ermordung Saddam Husseins. Die iranischen Agenten hätten sich – wie sie es oft täten – in Uniformen der Peschmerga getarnt. Zuvor hatte Wilhelm Langthaler, Agitator der „Antiimperialistischen Koordination“, irakischen Kommunisten, die die Komplizenschaft mit islamistischen Halsabschneidern und ba`thistischen Killern zu kritisieren wagten, in dem antiimperialistischen Fanzine „Intifada“ (11/04) angekreidet, dass sie „was ihre politische Tradition und Kultur betrifft, durch und durch persisch“ sind, d.h. sie huldigen den „Säkularismus der persischen Intelligenz“, sind also fern des autochthonen Volkes.

Es dräute also nur Unheil aus dem Iran: kommunistische Agenten eines fremdartigen „säkularen Fetischismus“, die sich nur als Iraker maskieren, aber keine sind; Saddammörder in Peschmerga-Uniformen; etc. pp.

Doch wie der ba`thistische Irak „um seine Existenz als souveräner Staat gebracht“ wurde („jW“, 16.12.05), so drohte nun der Islamischen Republik selbiges Schicksal. Und in der „jungen Welt“ wußte man alsbald, warum das islamistische Regime – zu Unrecht – geächtet werde: „Die Leugnung des Holocausts ist nach deutschem Recht ein Straftatbestand. Diese Rechtsauffassung hat sich offenbar auch die imperialistische Gewaltdiplomatie zu Eigen gemacht“, die nun mit Krieg drohe, so Werner Pirker („jW“, 16.12.05). Der imperialistischen Auschwitzkeule wußte Pirker – wenige Tage nach den antiisraelischen al-Quds-Aufmärschen in Teheran, Beirut und Berlin – zu erwidern: „der Antizionismus“ ziele „nicht auf die Vernichtung der jüdischen Existenz“ in den Reservaten islamischer Völker, „sondern auf die Zerstörung eines Projekts, das auf der Herrschaft von Siedlerkolonialisten über das palästinensische Volk begründet ist.“ („jW“, 29.10.05) Der jüdische Staat sei also etwas Künstliches, kein naturhafter Staat, ein Projekt eben, das auf der Herrschaft von Vagabunden über das angestammte Volk gründe.


Und so sehr auch der schädliche „iranische Einfluss auf den Irak“ in der Neutralisierung des „schiitischen Widerstandes“ resultierte, Werner Pirker wagte es zu hoffen: Denn Mahmud Ahmadinedschad, „der von der Straße kam“, wurde Staatspräsident, weil er bei den Massen „Erinnerungen an die sozialen Gerechtigkeitsideale und den Antiimperialismus der islamischen Revolution zu wecken vermochte“. Nun habe er gegen die pomadigen Pragmatiker „die Macht der Straße mobilisiert“ („jW“, 29.10.05). Wie in der „jungen Welt“ zuvor von der „die arabischen Straße“ geschwärmt wurde, auf denen über jeden Kollaborateur gerichtet werde, wie im Untergrund agierende ba`athistische Generäle in der „jungen Welt“ (18.04.04) drohen durften, regte sich nun das Interesse an der iranischen Straße, auf denen die antisemitisch verhetzten Regimebüttel auf Israelfahnen herumtrampeln und Schwule und aus der Zwangsehe flüchtige Frauen an von Deutschen produzierten Kränen hängen. Eben jene Straße sollte Pirkers Gelüsten von den „iranischen Habenichtsen“, die stramm antizionistisch zur Volksfront gegen Israel schnauben, noch spotten – aber dazu später.

Umso heftiger Mahmud Ahmadinejad sich als Held der antisemitischen Internationalen gerierte – der deutsche „Kampfbund nationaler Sozialisten“ etwa bedruckte Hemden mit dem Antlitz des iranischen Staatspräsidenten und der Beschriftung: „Zwei Völker, ein Feind“ – desto mehr nahmen die Sympathiebekundungen in der „jungen Welt“ für die Islamische Republik Iran zu. So verbeugte sich die „junge Welt“ anlässlich des ins All geschossenen islamischen Satelliten „Omid“ vor dem iranischen Ingenieurwesen (04.02.09) und erfreute sich über die von Mahmud Ahmadinejad kredenzte „Israelkritik“ auf dem Antizionistenkongress der „Vereinten Nationen“ im schweizerischen Genf (22.04.09). Doch als im Juni des gewesenen Jahres Massen an Menschen den regressiven Antiimperialismus der Islamischen Republik und ihrer Apologeten zu blamieren drohte, sorgte sich die „junge Welt“ inniger als je zuvor um die Reputation einer Staatlichkeit, deren Praxis der Tugendterrorismus ist und für deren Heilsideologie – „The world without Zionism“ – die antisemitische Internationale sich begeistert. Die revoltierenden Massen von bis zu drei Millionen Menschen allein in Teheran denunzierte Werner Pirker unbeirrt als „asoziale Revolution“ und konstatierte beleidigt „die konterrevolutionäre Revanche an der Islamischen Revolution als Emanzipationsprozeß der Volksklassen“, denn „mit dem Führer der Habenichtse“ würde vermutlich „auch die antiimperialistische Komponente aus der iranischen Revolution verschwinden.“ („jW“, 20.06.09) Rüdiger Göbel, ein weiterer Geopolitiker aus der „jungen Welt“, bemühte sein Gedächtnis: „Mich erinnert das Ganze an die bunten Revolutionen in Serbien, in der Ukraine und in Georgien, sponsored by CIA, George Soros and friends.“ („jW“, 02.07.09) Und Jürgen Cain Külbel stöhnte über die böswilligen Zerstörungen von Staatseigentum und befand den Tod von Revoltierenden als Folge einer hinterlistigen Attacke auf die Bassiji-Milizen, die sich den „Provokateuren“ lediglich erwehrt hätten („jW“, 16./17.06.09).

Wenig später lud die „junge Welt“ den Berliner Botschafter der Islamischen Republik Iran zum Gespräch. „Seine Exzellenz“ Ali Reza Sheikh Attar, als Provinzgouverneur in den frühen 1980`ern Mitorganisator von Mord und Folter, beglaubigte die von der „junge Welt“ beschworene Klasseneintracht der iranischen Bevölkerung mit dem frommen Brosamenwohlfahrtsregime: „85 Prozent der Bevölkerung“ hätten plebiszitartig die Islamische Republik „bestätigt“ („jW“, 11.07.09). Nach dem Abnicken jener Darlegung der Anti-Regime-Revolte als volksfeindseligen Putsch wollte die „junge Welt“ nicht mehr viel Weiteres wissen.

Das letzte, was „Seine Exzellenz“ der „jungen Welt“ noch konsultierte: „Wer oder was ist Israel“, krault das Gemüt der antiimperialistischen Eiferer, die genau zu wissen vorgeben, was ein Volksstaat wie die Islamische Republik sei und was Israel unmöglich sein könne. Werner Pirker bemühte sich bereits um eine gültige Definition des jüdischen Anti-Staates und somit auch eines wahren, da naturhaften Staates: „Der Staat Israel, die Palästinenser können das aus leidvoller Erfahrung bestätigen, ist ein reales Gebilde. Und dennoch ist die Künstlichkeit seiner Existenz evident. Er ist ein Staat aus der Retorte.“ Und weiter: „Israel entstand als Nationalstaat ohne Nation. Doch außerhalb der religiösen Vorstellungswelt ist eine spezifisch jüdische Identität nicht zu ermitteln. Aber es ist auch ein Staat von Kolonisten. Es ist ein ideologisch hoch motivierter Staat, der die Sicherung jüdischer Vorrechte zur obersten Staatsräson erhoben hat.“ („jW“, 24.04.02). Wo sich nicht auf Autochthonität, also auf Blut und Boden berufen werden könne, greife die zionistische Ideologie, so die verschrobene Pirkersche Staatskritik, die den Mangel an Naturhaftigkeit denunziert und somit die Fetischisierung von Herrschaftsverhältnissen forciert. Dass Israel „weniger aus sich selbst entstanden“ sei, als durch den bloßen Überlebenswillen von zuvor kosmopolitisch verstreut lebenden Juden, wurmt Pirker, der sich den Staat als naturwüchsiges Gehäuse der autochthonen Bevölkerung ersehnt. Die Ideologie des naturhaften Staates mittels Israel-Bashing reproduziert Pirker in der „jungen Welt“ vom 15. Juni: die israelische „Apartheid-Architektur“ bestehe „einzig in der Sicherung der weißen Vorherrschaft über die angestammte Bevölkerung“, Israel sei ein „Staat ohne Nation“ und so weiter. Bei anderer Gelegenheit denunziert die „junge Welt“ die Bemühungen des israelischen Staates, die antiisraelische Hetze zu entschärfen, als „Sabotage als Programm“ (24.02.10) und nennt die israelische Politik ein „Netzwerk der Manipulatoren“ (09.12.09). Oder nach dem Mord an einem jüdischen Siedler durch die al-Aksa-Brigaden: „Mit dem Siedler ist aller Erfahrung nach kein Unschuldiger getötet worden. Siedler sind keine Zivilisten, sondern die Vorhut der zionistischen Expansion.“ („jW“, 28.12.09). Der jüdische Unstaat als dauernde Verhöhnung von authentischer Herrschaft: sabotierend, manipulierend, die naturhaften Grenzen verspottend.

Es ist weniger die Faszination vor dem Islam, die die gottlose „junge Welt“ zu einer Apologie der Islamischen Republik Iran hinreißen und von einem Armageddon von „Hedonisten und Opferbereiten“ fiebern lässt, es ist der antisemitische Wahn von naturhafter Herrschaft, die vom „Retorten-Staat“ Israel negiert, von der iranischen Schwulenmörderrepublik aber glaublich repräsentiert werde. In einem mit Wilhelm Langthaler von der „Antiimperialistischen Koordination“ publizierten Pamphlet denunziert Pirker jenes zivilisatorische Moment der Vereinigten Staaten von Amerika, in dem doch trotz allem rassistischen Wahn die unwirkliche Einheit der Menschheit zumindest aufscheint: Der „Sozialtypus“ der US-amerikanischen Warengesellschaft, so Pirker und Langthaler, sei geformt durch die ständige Immigration, jene aber bedeute „auch immer eine individuelle Absage an kollektive Bestrebungen, die Verhältnisse“ in der verlassenen heimischen Produktionsgemeinschaft „zu verändern“. Die Grundierung der US-amerikanischen Staatsbevölkerung durch stetige Immigration kann lediglich von jenen bemängelt werden, denen es graust, dass das Recht auf einem Flecken Land zu leben, sich nicht durch die Berufung auf Blut und Boden, also auf eine organische Bande zum politischen Souverän eintreiben lässt. Die US-amerikanische Staatsbevölkerung ist nicht autochthon, also kein Volk – hierin liegt das von Pirker und Langthaler denunzierte Manko.


Nichts anderes als deutsche Ideologie wird hier reproduziert: die Generierung eines Naturverhältnisses, einer organischen Bande des Einzelnen zum politischen Souverän aus dem ehernen Zwang, nämlich der unbedingten Identifikation mit einem Staat. Der Staat wird hier verewigt in seiner metaphysischen Form: dem Volk, ein naturhaftes Rechtsverhältnis, das die Überflüssigkeit der vereinzelten Einzelnen kaschiert und die kapitale Selbstverwertung verbürgt. Kritik an dem Volk als ein kollektiver Verblendungszusammenhang gilt bei Werner Pirker spätestens seit Gollwitz 1997 als „Sozialrassismus“ („jW“, 07.10.97).

Dieser souveränitätsfetischistische Antiimperialismus, der etwa in der Person des Wilhelm Langthalers die Revoltierenden gegen das tugendterroristische Regime als Verräter an der „nationalen Souveränität“ denunziert („jW“, 06.07.09), ist die geopolitische Reproduktion der ideologischen Aufspaltung des Kapitalverhältnisses, unter dem sich die Individuen als zur Selbstverwertung gezwungene Kapitalatome konstituieren und das deren Überflüssigkeit verrät: in eine naturhafte Produktionssphäre, ein Reich gerechter Löhne, naturhafter Warenform und regionalisiertem Geldfetisch, und in eine parasitäre Spekulationssphäre, in der das Volk sich um den Wert seiner Selbstverwertung gebracht fühlt. Im Antiimperialismus wird nun die Herrschaft aufgespaltet in eine, die den Beherrschten als wesensfremde, d.h. als imperialistische erscheint, und in eine authentische, d.h. in die autochthone Herrschaft über die ‚Eigenen‘, die in dem antiimperialistischen Schwulst von der „nationalen Souveränität“ fetischisiert wird. Hier reproduziert sich der Antisemitismus im geopolitisch gerierenden und mit dem Völkerrecht ausstaffierten Antizionismus: Weil dem beschränkten, weil subjektförmigen Individuum das Kapitalverhältnis zur zweiten Natur wird, fahndet es nach jenen, die Schicksal und Natur provozieren und angeblich bewusst die ‚magischen Momente’ kapitaler Vergesellschaftung exekutieren: Die Juden, die vor der Shoa das bürgerliche Glücksversprechen als konkrete Emanzipation zu realisieren gedachten und deren erzwungene Mobilität mit der vom Kapitalverhältnis ideologisch abgespaltenen Spekulationssphäre assoziiert wird. Nun ist es Israel, der Jude unter den Staaten, das als Anti zur naturgegebenen Herrschaft fungiert: jenes Projekt kühner zionistischer Staatsgründer, die Natur und Schicksal trotzten, um auf einem Flecken Erde, mit dem sie, Ideologen wie Werner Pirker folgend, keine Bande mit dem Erdreich beglaubigen können, die staatsförmige Notbehelfung der antisemitisch Verfolgten schufen.

Wer zwanghaft vom Volk spricht, schweigt von den bekümmerten Einzelnen und ihrem verewigten Unglück. Auch die traditionsmarxistischen Massenparteien im Iran, die den islamistischen Kontras bei der reaktionären Wendung der Revolte gegen das monarchistische Regime beikamen, machten sich diesem Solidaritätsverrat schuldig. Am 8. März 1979, nachdem das Vorhaben der islamistischen Kontras bekannt wurde, das weibliche Haar unter den Hijab zu zwingen, rebellierten wütende Frauen vor allem in Teheran zu Zehntausenden gegen den tugendterroristischen Verhüllungszwang. Einen Tag zuvor hatten die islamistischen Kontras angeordnet, dass Frauen sich „nicht nackt“, d.h. ohne die Verhüllung ihres Haares in Ministerien, Ämtern, etc. pp. begeben dürfen. Immer wieder wurden Frauen angegriffen, die als untugendhaft und sündig denunziert wurden – dies reichte von Beschimpfungen als „Huren“ bis zu Säureattacken. Die Proteste, die sich über mehrere Tage hinzogen, konnten nicht verhindern, dass am 1. April 1979 die Islamische Republik Iran proklamiert und das Schicksal der Frau als demütiger und sittsamer Reproduktionsautomat des islamischen Regressionskollektivs bereits in der Verfassungspräambel verbürgt wurde. In der Islamischen Republik wird der weibliche Körper gänzlich zu Staatszwecken okkupiert. Die patriarchalische, in der Familie organisierte Geschlechterherrschaft wird aufgebrochen und zugleich verewigt, indem nicht die Familie entscheidet, was Ehegattin und Töchter dürfen und was nicht, sondern der Staat, der fehlerhaftes Verhalten streng definiert und sanktioniert. Der Hijabzwang bezweckt hierbei zum einen die Identifizierung der Frau als Staatsmaterial und zum anderen, im Konkreten, den Schutz des Mannes vor sexuellen Sinnenfreuden, die in ihm etwas anderes erwecken könnten als die absolute Identität mit dem leidenswilligen Märtyrerkollektiv (Vgl. hier).

Doch aus dem Politbüro der Tudeh wurde in jenen kontrarevolutionären Tagen herausposaunt, dass die „Islamische Revolution“ der iranischen Frau als Hüterin der ‚nationalen Würde’ zu ihrem angestammten Recht verhelfe (Vgl. hier, S. 30). Und die Volksfedajin, die sich in Folge der Komplizenschaft mit den islamistischen Kontras zumindest spalteten, riefen zur Ruhe auf. Bereits vor 1979 propagierte der frömmelnde Antiimperialist Ali Shariati, der von Wilhelm Langthaler als „Traditionsstrang“ gerühmt wird („Intifada“, 29/09), den Hijab als militantes Symbol nationaler Eigentümlichkeit (Vgl. „iz3w“, 311/09, S. 27). Nun interessiert es kaum, wenn in der iranischen Folterhölle von Evin die Knochen der Revoltierenden brechen oder aus der Zwangsehe flüchtige Frauen und Homosexuelle hingerichtet werden. Dem Duisburger Ableger der Querfront „Campo Antiimperialista“, der „Initiativ e.V.“, zufolge, ist der Hijab kein zwangsverordnetes Leichentuch der Sinnlichkeit sondern „ein Symbol der sich befreienden Frau“ gegen „imperialistische Assimilierung“. Die dissidente Frau, die in Abwehr islamischer Tugendhaftigkeit über ihren Körper selbst zu entscheiden gedenkt, wird also aus der Gemeinschaft züchtiger Reproduktionsfunktionärinnen entwurzelt.

Diesen organisierten Verrat an dem fernen Glück der Individuen, an einer von Herrschaft befreiten Menschheit, wird auch von jener äußerst deutschen Partei, die sich doch in der Tradition internationaler Solidarität wähnt, exerziert: Am 15. Juni 2009 – zu jener Zeit, als im Iran die Regimemilizen die Revolte blutig zu zerschlagen begannen – plädierte sie für eine „achtungsvolle und gleichberechtigte Politik“ gegenüber der Islamischen Republik und für eine „einseitige Orientierung auf Israels Okkupations- und Kernwaffenpolitik“. Nun – zu einer Zeit, wo sich deutsche Antizionisten mit türkischen Genossenmördern der Grauen Wölfe und den islamistischen Pogromaufhetzern von Sivas gegen Israel verbrüdern und im Iran politische Gefangene als „Feinde Gottes“ hingerichtet und Aufmüpfige eingekerkert werden – empört sich die Partei über das aufgezwungene Hemmnis des iranischen Regimes, „keine ballistischen Raketen starten“ zu dürfen, und über die Kompromittierung Tayip Erdoğans, den jüngsten Held der antisemitisch aufgewiegelten Massen und Komplizen Ahmadinejads.

„Es war kein Aufstand der Habenichtse, von Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben. Es war ein Aufstand der Hedonisten, denen es erfahrungsgemäß an heroischem Durchhaltevermögen mangelt“, besang Werner Pirker ein frühes Ende der Anti-Regime-Revolte im Iran („jW“, 27.06.09). Doch zu früh gefreut in der Berliner Redaktion. Während des al-Quds-Aufmarsches am 18. September wurden die obligatorischen „Tod Israel“-Parolen der Regimetreuen penetrant mit den Parolen „Tod den russischen und chinesischen Kollaborateuren des Regimes“ oder „Nicht Gaza, nicht Libanon, mein Leben für den Iran“ gekontert – und hier ist weniger eine Verlagerung des Opferkults, weg von der Identifikation mit den muslimischen Brüdern und Schwestern in Palästina hin zu einer exklusiven Unterwerfung unter die ‚eigene’ Nation, zu konstatieren, sondern eine Abwehr antizionistischer Projektion, die das eigene Leiden auslagert und im ‚unbefreiten’ al-Quds konserviert. In dieser Verweigerung, das eigene Unglück antisemitisch auszutreiben, ruht ein wahrhaft revolutionäres Moment, das die nationalbolschewistischen Kontras instinktsicher als „Demontage“ der „Islamischen Revolution“ denunzieren („jW“, 27.06.09).

Denn es ist das geistige Echo der Tendenz kapitaler Vergesellschaftung, die identitäre Verschweißung der kriselnden Subjekte zu individuumsentleerten Reproduktionsautomaten im projektiv versöhnten Kollektiv, welches auch aus den antiimperialistischen Ideologen erhallt: Dass der stumme Zwang zur ersten Natur werde, zur absoluten Identität des vereinzelt Einzelnen mit Volk und authentischer Herrschaft. Die Flucht ins Volk, das die Einzelnen terrorisiert und doch deren elendige Existenz verbürgt, und somit der Todesschwur ist, nicht mit dem eigenen Unglück zu brechen, wird geistig paraphiert. Doch die einzig richtige Flucht, nämlich jene aus der autochthonen Tyrannei, droht mit dem identitären Nichts in schicksalhaften Verhältnissen, in denen der Mensch ein verlassenes und verächtliches Wesen ist.


*** Gegen den al-Quds-Aufmarsch ***

Die antiimperialistische Ideologie, der Hunger, Elend und Zwang kein ernstliches Argument zur revolutionären Befreiung von Herrschaft ist, sondern zur forcierten Naturalisierung von Staat und Nation und zur projektiven Aussöhnung, also zur Teilhabe an dem antisemitischen Wahn, hat die internationale Solidarität auf die Komplizenschaft mit den Todfeinden einer befreiten Menschheit heruntergebracht. Hiergegen hat sich eine Kritik im Sinne des Marxschen Kategorischen Imperativ dort als praktische Solidarität zu bewähren, wo Kritik an den herrschenden Verhältnissen zum lebensbedrohlichen Wagnis wird oder die unverschuldete Unmündigkeit jedwede Rebellion verhindert: Letzteres wäre die Solidarität mit den aufs Martyrium abonnierten und antisemitisch verhetzten Kindern; ersteres die Solidarität mit jenen, die sich der antisemitischen Krisenexorzierung verweigern, wie die Menschen, die die „Tod Israel“-Parolen der islamistischen Menschenschinder kontern. Folglich ist Protest gegen den diesjährigen regimeorganisierten al-Quds-Aufmarsch am 4. September in Berlin gelebte Solidarität mit jenen wahrhaft Mutigen.

by CP Solidarity (cp_solidarity@yahoo.de) at 30 August 2010 , 15:17:12

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torsun

diesen monat ist es showmäßig etwas ruhiger:

07.09.2010 hamburg / übel und gefährlich (supportshow mit 1 foot in da rave für atari teenage riot)
08.09.2010 berlin / magnet (torsun aka nick rave dj-gig)
16.09.2010 lübeck / treibsand (egotronic-show)
17.09.2010 lingen / rock am pferdemarkt (egotronic-show)
18.09.2010 Husum / speicher (egotronic-show)
25.09.2010 berlin / clubnight (torsun aka nick rave dj-gig)

und zwischendrinne sind artur, lewe und meine wenigkeit für ein referat in berlin bei dieser veranstaltung gebucht:
da lang!

by kapsler hauser at 30 August 2010 , 12:29:25

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fuer und gegen alles

lang lebe die bar25!

vor ziemlich vielen jahren war ich auf einer party an der spree. dort stand ein ausrangierter wohnwagen und matrazen lagen herum. es lief elektronische musik, menschen tanzten, tranken, nahmen drogen, eine frau war als goldelse verkleidet, an sehr viel mehr was es dort so gab, passierte und lief, kann ich mich nicht erinnern. ein paar sachen existierten jedoch ziemlich sicher noch nicht: röhrenjeans, modeblogs, modemädchen, blassierte brillenhonks, arm aber sexy, berlin als der sehnsuchtsort für hipster-twens schlechthin. es gab keinen kalkbrenner samt eines im erfolgswindschatten hinterhertrottelnden kleinen bruder, die groove war eben erst von frankfurt in die reichshauptstadt gezogen, die mtv-trottel nervten noch in hamburg rum, die spex war meinungbildend, das ostgut hatte ein halbes jahr vorher zugemacht, weil dort irgendwas gebaut werden sollte und die restrealität war ein kleiner intimer ort im netz, an dem man sich mit gleichgesinnten austauschen konnte. ich möchte jetzt nicht über die guten alten zeiten schreiben und diese hochleben lassen, darum soll es nicht gehen, im gegenteil; der bar25 soll aus anlass der kommenden wie finalen festivitäten an dieser stelle gratuliert werden; zu ihrem bestehen, wie sie sich entwickelt hat und zu ihrem status quo.

am freitag war ich mal wieder im restaurant der bar25 essen und als ich eines der wirklich hervorragenden steaks gegessen habe, wurde mir klar, dass die bar25 wahrscheinlich einer der besten orte berlins war und ist, um zeit zu verbringen und spaß zu haben (die nervigen hinweise, dass der zugang beschränkt ist und nur eine bestimmte klientel reinkommt, feierelitismus blabla, lasse ich mal außen vor, als wären ökonomische zwänge, türselektion und hausrecht von der bar25 erfunden worden).

auch wenn ich mit dem hippieansatz nicht sonderlich viel anfangen kann, mir die unreflektierte naivität der betreiben (von dem versenkten baby bis hin zur etwas unglücklichen kooperation mit adidas und dem aufbau einer armenunterkunft südafrikanischer prägung) manches mal auf den geist gegangen ist oder die backstage-umstände mit den groupies, speichelleckern und bändchen-am-arm-als-lebenselexier-würstchen die manches mal doch erschreckende fratze urbaner feierkultur abbildete, wurde ein ort geschaffen, der nie das vorhandene verwaltet hat (es wäre ein leichtes gewesen aus diesem club, dank hoher anziehungskraft und medialem interesse, eine gelddruckmaschine zu machen), sondern immer mit neuen ideen einen flickenteppich des amusements (darauf einzugehen würde zu lange dauern) geschaffen und damit mein kulturelles leben in den letzten jahren berlin nachhaltig bereichert hat.

es ist nicht so, dass ich ein dauerbarbesucher bin oder war, und gegen mitte einer jeden saison zur sagenhaften erkenntnis kam, dass dieses jahr der charme verloren gegangen ist, endgültig! sellout! ich habe mich auch nie darüber lustig gemacht, dass die bar „dieses mal aber wirklich“ (höhö) abschied feiert; mir reichten 3-4 möglichst sonnige sonntage pro sommer, ab und zu mal ein bier unter der woche und eben das restaurant, das sich im laufe der jahre zu einem meiner liebsten entwickelt hat und für mich das herz der bar25 ist. das hat vielerlei gründe:

die salon-atmosphäre mit dem vielen holz, der offenen küche und dem blick auf die spree bilden ein perfektes setting. ich habe in keinem der unzähligen artikel zu, über oder gegen die bar je etwas von dem spagat gelesen, der dort funktioniert: zwischen feierhölle bis montag mittag, abend, dienstag morgen und hervorragendem restaurant, ohne dass das eine negativ auf das andere abfärbt. dinner and dance war schon immer scheiße, dinner or dance ist hier das zauberwort. das publikum besteht eigentlich zu 90% aus idioten; agenturmenschen, michael michalsky, düsseldorfaussehern. aber irgendwie verhalten sie sich anders als in ihrem natürlichen lebensraum. vielleicht haben sie angst vor der „türhitlerin“ oder dass sie bei zu prolligem gewese liquid heroin in den drink bekommen, ich weiß es nicht, auf jeden fall nerven sie nicht; auch die perlenohrring-polokragen-fraktion hält sich zurück. die bedienungen haben ihre alltagsklamotten an, was sie von denen in ähnlichpreisigen lokationen unterscheidet, der grad der professionalität ist jedoch hoch; umsichtig und freundlich wird man bedient und das essen (hirschrückencarpaccio als vorspeise, argentinisches rinderfilet als hauptgang) wie angesprochen ziemlich sehr gut. kaum vorstellbar, dass dies der ort sein soll an dem man schon diverse male montags mittags erschreckt auf die uhr schaute.

ich habe schon angedeutet, dass mir die philosophie der bar25 vor allem in den politische wie narrativen momenten, zumindest inhaltlich oder in der herleitung, eher suspekt ist, aber dass es der bar25 dennoch gelungen ist einen platz zu schaffen an dem ich 39 jahre lang (1971 war das mit dem besagten wohnwagen nämlich) sauviel spaß und eine gut zeit hatte, gefeiert, gegessen, gechillt habe. und dass aus einem hintergrund und einer einstellung, die ich gar nicht mal in gänze teile, so ein toller ort geworden ist, dafür bin ich der bar25 unheimlich dankbar.

by schons at 30 August 2010 , 10:37:52

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aftershow

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29 August 2010

torsun

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nada

byebye olifani

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Hier ist Schluss. Hat ja schon eine gewisse Tradition, dass ich bei Umzügen auch gleich den Blog wechsel und so ist es dann wohl auch diesmal wieder an der Zeit. Zuviel hat sich verändert, als dass ich hier jetzt noch weiter schreiben will (bzw. mit schreiben war hier ja eh nicht mehr viel).
Herzlicher Dank geht an dieser Stelle noch einmal an Salty. War nett auf Olifani, einiges an Spass gehabt und die Feindbildpflege einiger Internetprolls hat man doch auch gerne unterstützt.
Adieu und da gehts weiter.
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by nada at 29 August 2010 , 09:06:39

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by nada at 29 August 2010 , 08:46:32

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28 August 2010

aftershow

Liebe Ronja,

du bist schon groß, das kann man sehen
Und darfst nun auch zur Schule gehen
Das wird sehr spannend, glaube mir
Viel Spaß beim Lernen wünsch ich dir

by xXaftershowXx at 28 August 2010 , 20:55:43

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